Historisches Forster Gebäude wird nicht abgerissen, sondern saniert

In Forst brodelt wiedermal die Gerüchteküche: „Die ‚Hitler-Eiche“ wird abgerissen!“. Das einstmals beliebte Forster Lokal unweit des Gutenbergplatzes ist tatsächlich zur Bau- und Schaustelle geworden. Einige Passanten wollen trotz Absperrungen unbedingt noch ein paar Fotos machen, möglichst exklusiv aus dem Inneren oder vom Gerüst aus. Daß sie sich dabei in Gefahr bringen, ist den meisten gar nicht bewußt und ärgert den Besitzer der Immobilie.

So sah es am 1. März 2020 an der Baustelle aus. Foto: (c) Nerlich, Forst
Mitte März standen schon wieder die ersten Mauern. Foto: privat

Dabei kann von einem Abriss gar nicht die Rede sein, wie der Eigentümer des Gebäudes auf RUNDSCHAU-Nachfrage bestätigt. Richtig ist, daß Teile des Gebäudes aus Gründen nicht mehr vorhandener Statik abgetragen wurden. Das Fundament wurde jedoch mit Beton neu verfüllt, mit dem Wiederaufbau der Mauern wurde bereits begonnen. Auch der Dachstuhl wird später erneuert. Das Gebäudeensemble bleibt erhalten und wird grundlegend saniert. Nach Ende der Baumaßnahmen soll sich den Forstern der gewohnte Anblick bieten, wie man ihn von alten Fotos kennt. „Nur eine Gaststätte wird es nicht wieder werden, weil sich kein Betreiber findet. Stattdessen wird neuer Wohnraum geschaffen“, sagt der Eigentümer, der das Gebäude 2016 erworben hat. Daß er nicht viel Wind um die Sache machen und lieber im Stillen ein Stück Forster Geschichte bewahren möchte, liegt auch daran, daß es inzwischen viele Neider gibt, die ihm mit Belanglosigkeiten die Arbeit unnötig erschweren. Doch die Einhaltung von Bau- und Sicherheitsvorschriften wird ständig durch die zuständigen Instanzen kontrolliert. Für den Eigentümer ist es wichtig, daß dieses markante Gebäude mit seiner historischen Architektur im Stadtbild erhalten bleibt.

Die Gaststätte „Eiche“ am Gutenbergplatz war bis zu ihrer Schließung Mitte der 1990er Jahre ein beliebtes Lokal. Anläßlich der Pflanzung einer sogenannten Hitler-Eiche am 1. Mai 1933 im Zuge der Gleichschaltung der Gewerkschaften erhielt das Lokal den Beinamen „Gaststätte zur Hitler-Eiche“, der sich auch nach Kriegsende im Volksmund gehalten hat. Noch heute schwärmen viele ältere Forster von den Schlachtfesten zu DDR-Zeiten. Auch soll es in der „Eiche“ das beste Eisbein-Essen der Stadt gegeben haben.

Über Thori 115 Artikel
Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer, Fleischesser und Milchtrinker; wurde als Kind mehrmals geimpft, ohne jemals daran gestorben zu sein; mehrfacher Träger der roten Mai-Nelke und Teilnehmer am Betriebskantinenessen

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